Kooperationsroadmap Part 1: Zielformulierung & Partnersuche

Aktualisiert: Nov 17

Die Anbahnung und Durchführung von Kooperationen mit Forschungseinrichtungen ist nicht immer einfach. Bereits vor dem Beginn der eigentlichen Zusammenarbeit stellen Unternehmen häufig fest, dass die Benennung ihrer konkreten Problemstellung und der damit verbundenen Zielsetzung schwerer fällt als erwartet. Spätestens bei der anschließenden Partnersuche wirkt sich dies auf das Gelingen des Kooperationsvorhabens aus. Dabei ist die Suche nach dem geeigneten Partner schon für sich genommen anspruchsvoll genug. Dieser sollte nicht nur fachlich qualifiziert sein, sondern auch über freie Kapazitäten verfügen und die Fähigkeit besitzen, in einer Kooperation mit Unternehmen die ‚Praxisbrille‘ aufzustzen. Die erste Frage, welche sich ein Unternehmen deshalb stellen muss, ist die folgende:


Warum kostbare Zeit und Energie in Forschungs- und Entwicklungskooperationen investieren?


Die Antwort ist einfach: weil sie es wert sind – zumindest, wenn man sie mit dem Bewusstsein um ihre Tücken und Herausforderungen angeht. Vor diesem Hintergrund möchte die Kooperationsroadmap von Edecy und ValueVersitas als Leitfaden für FuE-Kooperationen zwei Dinge leisten. Zum einen gilt es, ein realistisches Bild des Aufwands zu vermitteln, den Kooperierende in gemeinsame Entwicklungsprojekte investieren müssen. Dabei sollen jene Aspekte hervorgehoben werden, die in der Regel für enttäuschte Erwartungen verantwortlich sind, sich aber durch proaktives Kooperationsmanagement gut meistern lassen. Zum anderen soll diese Kooperationsroadmap Lust auf kooperatives Forschen und Entwickeln machen und Unternehmen über Chancen und Potenziale informieren. Dabei können Kooperationen in unterschiedlichen Szenarien relevant werden und unterschiedliche Dinge für Ihr Unternehmen leisten:


Forschungskooperationen als Problemlöser

Wenn sich rechtliche oder technische Rahmenbedingungen kurzfristig ändern, im Betriebsprozess regelmäßige Störungen auftreten oder sich Kundenansprüche rasant wandeln, können Forschungs- und Entwicklungskooperationen der Problemlösung dienen. In solchen Fällen ist das Zeitfenster zumeist sehr eng und erlaubt es nicht, intern neue Kompetenzen aufzubauen oder entsprechende Technologien zu entwickeln. Hier können externe Partner überbrückend bei den nötigen Anpassungen am Produkt oder Betriebsprozess unterstützen.


Forschungskooperationen als Innovationsmotor und Ideenschmiede

Sie wollen Ihre Produktionsabläufe optimieren, neue Produkte und Verfahren entwickeln und Ihr Unternehmen proaktiv in die Zukunft führen? Häufig existieren in solchen Fällen an Forschungseinrichtungen bereits geeignete Technologien, die Ihrem Unternehmen einen Entwicklungsschub verschaffen. Sowohl im Rahmen eines ‚klassischen Technologietransfers‘ zur Implementierung bestehender Technologien als auch in Form gemeinsamer Projekte können Kooperationen mit Institutionen der Wissenschaft ihren Beitrag zur Innovationskraft Ihres Unternehmens leisten. Das beste Beispiel hierfür ist wohl die aktuelle Digitalisierung und Automatisierung der Abläufe vieler Betriebe, für die an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bereits weitestgehend standardisierbare Lösungsansätze zur Verfügung stehen. Ganz nebenbei erhalten Sie durch den Austausch und die Kooperation mit Hochschulen wertvolle Einblicke in aktuelle Forschungsthemen und Innovationstrends, die wichtige Impulse für Ihre interne Produktentwicklung geben. So entwickeln sich aus anfänglich inhaltlich klar umschriebenen Dienstleistungen häufig verblüffende neue Ansätze und innovative Folgeprojekte.


Über diese Szenarien hinaus ermöglicht die Zusammenarbeit mit externen Forschungspartnern auch den Zugriff auf lukrative Fördermittel, die Kooperationsprojekten vorbehalten sind. Ein gutes Beispiel ist das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), in dem sowohl Kooperationsprojekte als auch Innovationsnetzwerke gefördert werden. Zusätzlich gehen aus Forschungskooperationen wertvolle Kontakte zu hochqualifizierten Fachkräften hervor, die mittel- und langfristig als externe Berater oder spätere Mitarbeiter interessant werden können. Gleiches gilt für talentierte Studierende, auf die Sie als Unternehmen bereits früh aufmerksam werden.


Sofern diese Argumente überzeugen und eines der genannten Szenarien auf Sie zutrifft, gilt es im nächsten Schritt genau zu definieren, welches konkrete Ziel Sie in Ihrem Innovationsvorhaben verfolgen wollen. Mit der Ausnahme von Projekten, die sich eher der Grundlagenforschung annähern und dementsprechend ergebnisoffener sind, hängt die erfolgreiche Anbahnung eines Kooperationsprojekts davon ab, ob sie die folgende Frage für sich und Ihren Partner beantworten können:


Welches konkrete Ziel möchte ich mit meinem Forschungsprojekt erreichen?


Die Frage mag banal erscheinen, doch der Unterschied zwischen der groben Benennung des eigenen Problems und der Ausformulierung einer spezifischen Zielsetzung ist gewaltig. Als Hilfestellung empfiehlt der FuE Bereichsleiter des OFFIS – Institut für Informatik aus Oldenburg, Dr. Frank Oppenheimer, ein Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, dass Sie zum Ende des gemeinsamen Projekts eine Pressemitteilung über die erfolgreiche Kooperation schreiben. Welche Ergebnisse müssten dazu aus ihr hervorgegangen sein?


An diesem Beispiel wird deutlich, dass es für Forschungseinrichtungen das A und O einer jeden Kooperation ist, einen Unternehmenspartner zu haben, der formulieren kann, wo genau sein Problem liegt und wo er mit der Zusammenarbeit hinwill. Es ist zentral, dass Sie diese Zieldefinition Ihrer Kooperation immer wieder im Kontext Ihrer Unternehmensstrategie betrachten und sich fragen, welchen Zweck sie für Ihr Unternehmen im Ganzen erfüllt.


Sobald diese Zielformulierung vorgenommen ist, fällt es anschließend auch leichter die relevanten Kriterien zu definieren, anhand derer sich ein idealer Forschungspartner auswählen lässt. Die anschließende Frage lautet somit:


Was erwarte ich von meinem Partner und welche Anforderung sollte er erfüllen?


Dabei ist die fachliche Eignung zwar der wichtigste Aspekt, bei weitem aber nicht der einzige. Außer den nötigen Fachkompetenzen erwarten Unternehmen von ihren Kooperationspartnern in der Regel auch entsprechende Erfahrungen und Organisationsstrukturen bei der administrativen Abwicklung der Zusammenarbeit. Dazu gehört auch die Bereitstellung eines festen Ansprechpartners, der durchgängig präsent ist und ein fachliches Verständnis für das Kooperationsthema mitbringt. Schließlich sollten beide Parteien ein Bewusstsein für den Forschungs- und Entwicklungshintergrund Ihres Partners entwickeln. Auch wenn Hochschulen und Forschungseinrichtungen häufig sehr anwendungsorientierte Forschung betreiben, kann es für Sie und Ihr Unternehmen Gold wert sein, früh auszuloten, inwiefern Ihr potenzieller Forschungspartner tatsächlich auch die ‚Praxisbrille‘ aufsetzen kann. Dies betont auch Dipl.-Ing. Kai Grundmann, Geschäftsführer der FMB Maschinenbaugesellschaft aus Faulbach:


„Es gibt traditionell einige Forschungsinstitute, die sehr praxisorientiert arbeiten, während das bei anderen nicht so stark der Fall ist. Bei Kooperationen ist es für mich zentral, dass beide Seiten sich zu jedem Zeitpunkt darüber im Klaren sind, dass es um die praktische (Weiter-)Entwicklung eines Produkts oder Produktionsprozesses geht.“

Die meisten dieser genannten Anforderungen an einen idealen Forschungspartner lassen sich von außen nicht auf Anhieb einsehen und können somit den Aufwand Ihrer Recherche in die Höhe schießen lassen. Bei der Partnersuche sollten Sie daher auf effiziente und kostensparende Kanäle setzen, die den Rechercheprozess verschlanken oder vollständig übernehmen.


Erfahren Sie im zweiten Artikel der Edecy Kooperationsroadmap, welche Kanäle sich bei der Partnersuche anbieten und was es bei der weiteren Kooperationsanbahnung zu beachten gilt.

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