EFI Bericht 2020 - Fortschritte in der Umsetzung der Hightech-Strategie 2025

Steigende Forschungs- und Entwicklungsausgaben, das neue Forschungszulagengesetz und ein Zwischenbericht der KI-Strategie - In Ihrem aktuellen Innovationsbericht klärt die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) über Fortschritte bei der Umsetzung der Hightech-Strategie auf und gibt Handlungsempfehlungen.

Wer wissen möchte, wie sich Deutschland auf die großen Zukunftsthemen des 21. Jahrhunderts vorbereitet und gedenkt seine internationale Spitzenposition im Bereich der hochtechnologischen Forschung beizubehalten, sollte ein Blick in die Hightech-Strategie 2025 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werfen. Ob Künstliche Intelligenz, Energiewende oder die grundsätzliche finanzielle und rechtliche Förderung von Forschung und Innovation – die Hightech-Strategie gibt die Marschrichtung vor. In ihrem aktuellen Bericht 2020 informiert die Expertenkommission Forschung und Innovationen (EFI) über den bisherigen Fortschritt der in dem Dokument gesteckten Ziele.


Ausgaben in Forschung und Entwicklung

In der Hightech-Strategie 2025 formuliert die Bundesregierung das Ziel, die Gesamtausgaben (öffentlich und privat) in den Bereich Forschung und Entwicklung bis 2025 auf 3,5% des BIPs zu steigern. Im Jahr 2018 betrug der Anteil bereits 3,13%, was einer Steigerung von etwa 0,1 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht (3,04%) – klingt nicht nach viel, würde aber bei einer Fortsetzung dieser Trends zu einer souveränen Erreichung des Ziels 2025 führen. Im internationalen Vergleich steht Deutschland vor den USA (2,79%), Frankreich (2,19%) und dem Vereinigten Königreich (1,66%) gut dar. Lediglich Korea (4,55%), Schweden (3,40%) und Japan (3,21%) investieren anteilig mehr in Forschung und Entwicklung.


Verabschiedung des Forschungszulagengesetzes

Für einen weiteren Ausbau der finanziellen Förderung von Unternehmen und deren Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen, wurde mit dem Gesetz zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung, auch Forschungszulagengesetz (FZulG), der rechtliche Rahmen gelegt. Das Gesetz trat am 1. Januar 2020 als Instrument zur steuerlichen FuE-Förderung in Kraft und ermöglicht die anteilige Erstattung von Ausgaben, die entweder in der internen Forschung durch Personalkosten entstehen (1) oder von Forschungsaufträgen, die an Dritte (z.B. Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen) vergeben werden (2). Hierdurch werde zum einen besonders für KMU mit begrenzten unternehmensinternen FuE-Ressourcen die Entwicklung von Innovationen ermöglicht und zum anderen

„der Wissens- und Technologietransfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft befördert, wenn FuE-Aufträge an Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen vergeben werden.“

Konkret sind Unternehmen zu einer Erstattung von 25% ihrer förderfähigen Personalaufwendungen (1) bzw. 60% der Auftragsleistung im Falle einer Auslagerung der Forschungsarbeit (2) berechtigt. Die Obergrenze der Bemessungsgrundlage liegt bei 2 Millionen Euro, also einer maximalen Fördersumme von 500.000 Euro pro Wirtschaftsjahr, welche jeweils auf die nächste Einkommens- oder Körperschaftssteuer angerechnet wird. Durch die Deckelung der Fördersummen profitieren KMU mit Forschungsausgaben unter 2 Millionen relativ betrachtet mehr als größere Unternehmen mit hohen eigenen Forschungsausgaben. Besonders für Startups und kleine Unternehmen ist darüber hinaus relevant, dass ihnen, wenn die anzurechnende Forschungszulage die festgesetzte Einkommens- oder Körperschaftssteuer übersteigt, der überschüssige Betrag ausgezahlt wird.


Gründung SprinD GmbH

Deutschland bekommt eine Agentur für Sprunginnovationen. Ihr Hauptziel wird die Entdeckung und Weiterentwicklung bedeutender Forschungsideen sein, die das Potenzial zu „disruptiven“ Effekten, also nachhaltigen Veränderungen des Marktes haben. In Leipzig wurde hierfür unter dem Motto „Kreative Ideen, schneller Transfer in den Markt und Mut zum Risiko“ eine GmbH unter der Leitung des Software-Unternehmers Rafael Laguna gegründet. In den kommenden 10 Jahren sollen hier bis zu 50 Stellen entstehen und 1 Milliarde Euro investiert werden, um innovativen Zukunftstechnologien im Bereich der Künstlichen Intelligenz oder des Klimaschutzes zum Durchbruch zu verhelfen.

Im Rahmen dieser Zielsetzung startete die Agentur bereits 3 Pilotinitiativen zur Austestung eines kompetitiven Ansatzes bei der Ausgründung neuartiger Ideen, unter anderem eine Initiative zur Verbesserung der Energieeffizienz von KI-Systemen. Im Rahmen des Wettbewerbs sollen daher Forschergruppen von Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihren wissenschaftlichen Sportsgeist auf die Probe stellen und das KI-System mit dem geringsten Energieverbrauch entwickeln, um dadurch die technologische Grundlage für eine breite wirtschaftliche und gesellschaftliche Anwendungen zu bereiten.


Zukunftscluster-Initiative

Seit Sommer 2019 besitzt Deutschland ein großes neues Clusterprogramm zur Förderung der Entwicklung von regionalen Clustern in Innovationsfeldern mit hohem Wachstumspotenzial. Ziel ist es, durch die Kooperation unterschiedlicher regionaler Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft, neue Erkenntnisse und Technologien der Forschung möglichst schnell in die wirtschaftliche Anwendung zu bringen. Die Initiative findet im Rahmen eines mehrstufigen, kompetitiven Verfahrens mit mehreren Wettbewerbsrunden statt. Die erste Wettbewerbsrunde ist bereits abgeschlossen – Erfahren Sie hier, wer die 16 Finalisten sind! In der nächsten Phase werden die verbleibenden Netzwerke über bis zu 9 Jahre mit jeweils bis zu 5 Millionen Euro pro Jahr gefördert.

Während die Expertenkommissionen die allgemeine Zielsetzung der Initiative befürwortet, kritisiert sie die nicht völlig themen- und technologieoffenen Förderrichtlinien und verweist auch auf die Bedeutung überregionaler Forschungs- und Innovationskooperationen. Einen nationalen Plattformansatz verfolgt Edecy mit seinem Portal zur Vernetzung von potenziellen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft im Rahmen von Forschungskooperationen.

Blockchain-Strategie

Im Zuge eines Konsultationsprozesses der sowohl wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche als auch wissenschaftliche Akteure miteinbezog, verabschiedete die Bundesregierung im September 2019 ihre Blockchain-Strategie. Ziel war es die Chancen der Technologie zu nutzen und Potenziale der digitalen Transformation zu mobilisieren. Die Strategie identifiziert 5 Handlungsfelder und ordnet ihnen Maßnahmen für eine effiziente Nutzung der Blockchain-Technologie zu:

(1) Stabilität sichern und Innovationen stimulieren: Blockchain im Finanzsektor

(2) Innovationen ausreifen: Förderung von Projekten und Reallaboren

(3) Investitionen ermöglichen: klare verlässliche Rahmenbedingungen schaffen

(4) Technologie anwenden: Digitalisierte Verwaltungsdienstleistungen

(5) Informationen verarbeiten: Vernetzung und Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure

Die Expertenkommission hält diese Maßnahmen zwar für zielführend, mahnt aber die Festlegung von Meilensteinen und Maßzahlen an, um Fortschritte konkret überprüfbar und transparent dokumentierbar zu machen.


KI-Strategie

International ist künstliche Intelligenz das Zukunftsthema schlechthin und die Investitionen steigen rasant. Auch Deutschland plant bis 2025 Investionen von 3 Milliarden Euro und ist damit europweit Spitzenreiter.



Bereits im November 2018 vom Bundeskabinett verabschiedet, wurde im November 2019 der Zwischenbericht ein Jahr KI-Strategie veröffentlicht. Hier werden nun konkrete Maßnahmen genannt, welche sich entweder in Umsetzung oder Planung befinden:

Weiterentwicklung der Kompetenzzentren für die KI-Forschung: Im Rahmen der KI-Strategie werden derzeit 6 Institutionen unterstützt, die sich der Forschung an Künstlicher Intelligenz befassen, unter ihnen das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. In den kommenden Jahren ist es nun das Ziel, diese aktuell lose zusammengeschlossenen Einrichtungen zu einem nationalen Netzwerk mit ausgereiften Mechanismen des Wissens- und Technologietransfers weiterzuentwickeln. Hierfür sollen bis 2022 die Fördergelder verdoppelt werden. Ein neues Pilotvorhaben des BMBF ist außerdem die Entwicklung einer digitalen Lernplattform, die sich hauptsächlich an Hochschulen und Studierende richtet und ihre Kompetenzen zur Künstlichen Intelligenz stärken soll.

Schaffung von 100 neuen KI-Professuren: Auch aus dem Ausland soll zur Besetzung dieser Stellen gezielt qualifiziertes Personal angeworben werden, wozu 30 Alexander von Humboldt Professuren auf dem Gebiet der KI ausgeschrieben wurden. Zusätzlich soll KI-Expertise durch eine verstärkte Förderung des Nachwuchses sichergestellt werden, was von der Expertenkommission ausdrücklich unterstützt wird. Am 17. Januar hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahme ihrer strategischen Förderinitiative zur Künstlichen Intelligenz (KI) die Förderung von Forschungsgruppen und Kolleg-Forschungsgruppen ausgeschrieben. Die methodisch-inhaltliche Zielsetzung besteht dabei in der engen Verknüpfung von Forschung an Methoden der KI mit einem weiteren Forschungsfeld, das zumeist einen wissenschaftspraktischen, mathematisch-informatischen, rechtlichen oder soziologischen Bezug herstellt. Die Einreichung der Antragsskizze wird in englischer Sprache und über das elan-Portal der DFG bis zum 17. Juni 2020 erbeten. Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website der DFG.

Dateninfrastruktur GAIA-X: Unter dem Titel GAIA-X soll langfristig eine europaweit vernetzte und offene Dateninfrastruktur geschaffen werden, die Daten und Dienste für Anwendungen der KI verfügbar machen und dabei die digitale Souveränität gewährleisten soll. Die Datencloud soll demnach unter anderem die Ressourcen eueropäischer Firmen bündeln und eine "leistungs- und wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa" schaffen, heißt es in dem Strategiepapier Project GAIA-X: A Federated Data Infrastructure as the Cradle of a Vibrant European Ecosystem.

„Plattform Lernende Systeme“ und KI-Experten: Darüber hinaus bündelt eine deutschlandweite KI-Landkarte des BMBF und des BMWi alle Anwendungen und Entwicklungsprojekte, in denen KI-Technologien heute oder in naher Zukunft zum Einsatz kommen. Außerdem informiert die Landkarte über Hochschulen, Kompetenzzentren sowie Transferstellen, die an der KI-Forschung oder dem Transfer in die Praxis beteiligt sind. Dem Ziel der Praxisumsetzung widmen sich auch mehr als 30 KI-Trainer in den Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, die mittelständische Unternehmer in die Lage versetzen sollen, eine Entscheidung über passende KI-Systeme zu treffen:

"Wir KI-Trainer möchten kleinen und mittleren Unternehmen das Thema Künstliche Intelligenz und vor allem ihre Vorteile näher bringen. Wenn sich ein Unternehmen bereits mit der Digitalisierung beschäftigt hat und nun den nächsten Schritt in Richtung KI gehen möchte, dann helfen wir dabei." – Keran Sivalingnam (KI-Trainer)

Gegenwärtig stehen Kompetenzzentren an den Standorten Augsburg, Berlin, Dortmund, Hannover, Kaiserslautern, Saarbrücken und Stuttgart sowie an den Themenzentren „Textil vernetzt“ und „Usability“ KI-Trainer zur Verfügung. Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und machen Sie Ihren Betrieb fit für das digitale Zeitalter!

Eine ausführliche Lektüre des EFI Berichts2020 lohnt sich! Neben der Hightech-Strategie 2025 des BMBF gibt es ein weiteres Dokument, welches deutsche Unternehmen an unterschiedlichen Punkten des Innovationsprozesses unterstützt. Unter dem Titel Von der Idee zum Markterfolg fördert das Bundesministerium kleine und mittelständische Unternehmen, um Ihnen die praktische Umsetzung innovativer Ideen zu ermöglichen.

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Firmensitz: Chausseestr. 88, 10115 Berlin, Deutschland

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